St. Kathrein stellt das Tanzen ein

Warum der Namenstag der Heiligen von Brautpaaren und Brauteltern gefürchtet wurde, aber fast jede katholische Familie eine Tochter auf den Namen der Heiligen Katharina taufte.

Vielleicht ist es Euch auch schon aufgefallen, so wie mir irgendwann: Bei Eingabe der Hochzeitsdaten der Vorfahren sind ungewöhnlich oft Heiraten im Januar oder Februar einzugeben. Eine mögliche Erklärung für mich war, dass die überwiegend als Bauern oder im bäuerlichen Umfeld lebenden Ahnen in der kalten Jahreszeit wenig Arbeit auf dem Feld zu erledigen hatten. So konnten sie auch mal die sonst fürs Arbeiten reservierte Zeit für eine Reise zu den Verwandten im überübernächsten Dorf verwenden oder die Rückreise erst am nächsten Tag antreten. Schließlich sah man sich nicht so oft, und eine Hochzeit bedeutete damals reichlich essen und trinken, Neuigkeiten austauschen und – nicht zuletzt – auch „Heiratsmarkt“ für die Cousins und Cousinen.

Kathrein reguliert das Liebesleben

Auffällig war aber, dass es auch für die Zeit vor dem Jahresende (fast) keine Heiratstermine einzutragen gab. Also eine Hochzeitslücke zwischen Ende November und Anfang Januar! Mein Familienforscher-Freund Wolfgang aus Bayern machte mich, nachdem er meinen Text „Die Braut trug schwarz“ gelesen hatte, auf den vor allem in katholisch besiedelten Gebieten geltenden Brauch aufmerksam: „Kathrein stellt das Tanzen ein“.

Bruegels "Bauernhochzeit" von ca. 156
Die Bauernhochzeit (um 1568) von Pieter Bruegel d. Ältere (Bild gemeinfrei)

Wolfgang schrieb, er kenne das noch aus eigener Erfahrung. Seine Frau und er heirateten am 19. November 1960, kurz vor dem Namenstag der Heiligen Katharina (“Kathrein”), denn die gemeinsame Wohnung sollte Anfang Dezember bezugsfertig werden. Da sie als Unverheiratete aber nicht hätten einziehen dürfen – „da hätte die Familie schon für gesorgt“ – und in der Adventszeit nicht geheiratet wurde, musste der staatliche und kirchliche Segen vorher eingeholt werden.

Allerdings wurde die Geduld (und der Wunsch nach Zweisamkeit) des jungen Ehepaares dann auf eine harte Probe gestellt: „Unsere Wohnung wurde doch erst im Februar 1961 bezugsfertig. Da ich damals in einer kleinen Zweizimmerwohnung mit meiner Mutter wohnte, musste ich meine Frau jeden Abend mit der Trambahn in ihr möbliertes Zimmer bringen. Die Frau davon duldete keinen Männerbesuch!!!!“

Heilige gliedern das Jahr

Mit der Heiligen Katharina selbst hat das Heiratsverbot nichts zu tun. Aber ihr Namenstag war ein markanter Merkposten im bäuerlichen (/katholischen) Jahresablauf – ebenso wie Ostern, „die Eisheiligen“ im Mai („Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost“), der Siebenschläfertag am 27. Juni (“Regnet’s am Siebenschläfertag, so regnet’s sieben Wochen danach”) oder St. Michael am 29. September (“Michel zündt’s Licht an“).

(Weitere Bauern – und Wetterregeln könnt Ihr z.B.
im
Bauernkalender von garten-literatur.de nachlesen)

Der vor allem in Süddeutschland und den Alpenländern traditionelle „Kathreinstanz“ am Abend des 25. November, war die letzte Festlichkeit vor dem Beginn der Adventszeit, die – wie heute noch die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern – als Fastenzeit galt. Vergnügungen, also Tanzen und damit Hochzeitsfeiern, waren untersagt. Wenn ein Paar noch vor dem Jahresende heiraten wollte, oder – aus welchem Grund auch immer – “heiraten mußte”, war der Namenstag der Heiligen Katharina die letzte Chance.

Die kluge, standhafte Prinzessin

Ab dem 8. Jahrhundert und verstärkt von den aus Palästina zurrückkehrenden Kreuzfahrern verbreitete sich die (Heiligen-)Legende von Katharina von Alexandrien im Abendland. Sie wurde als eine der Vierzehn Nothelfer*innen verehrt und war unter den beliebtesten mittelalterlichen Heiligen. Sicher auch, weil es über sie eine spannende Geschichte mit einem tragischen (Happy) Ende zu erzählen gab.

Heiligen-Legenden St. Kathrein
Katharina diskutiert mit den Gelehrten (in einem "Legenden"-Buch aus den 50er Jahren)

Katharina soll als Tochter des Königs Costus von Zypern Anfang des 4. Jahrhunderts im ägyptischen, römisch besetzten Alexandria gelebt haben. Nachdem sie heimlich zum christlichen Glauben übergetreten war, fühlte sie sich Christus „anverlobt“ und wollte keinen irdischen Bräutigam akzeptieren. Bei einem Opferfest in Alexandria verhielt sie sich nicht entsprechend dem vorgeschriebenen Ritus und wurde dabei vom römischen Kaiser Maxentius (305-312) gesehen. Der forderte sie auf, den Göttern richtig zu dienen. Als sie sich standhaft weigerte und zum Christentum bekannte, veranlasste der – wohl wegen ihrer königlichen Abstammung zunächst nachsichtige – Kaiser, dass 50 Gelehrte sie in einem Disput vom neuen Glauben abbringen sollten. Doch die kluge und wortgewandte Prinzessin überzeugte ihrerseits die Gelehrten vom Christentum.

Darüber wütend, ließ Kaiser Maxentius sie foltern und auf ein mit Eisenzähnen beschlagenes Rad binden. Aber das Rad zerbrach weil „himmlische Schutzmächte eingriffen” und es zerschmetterten. Doch es gab kein irdisches Happy End: Katharina wurde mit dem Schwert enthauptet. Nun trugen der Legende nach Engel ihren Leichnam zum Berg Sinai. Das dort im 6. Jahrhundert von dem byzantinischen Kaiserpaar Justinian und Theodora am Ort der Erscheinung des brennenden Dornbuschs gegründete Kloster wurde später nach ihr Katharinenkloster genannt.

Namens- und Schutzpatronin

Auf kirchlichen Darstellungen wird Katharina von Alexandrien als gekrönte Jungfrau mit Schwert und Rad gezeigt und gilt als die Patronin der Berufe, die mit Rädern oder Schneidwerkzeug (Messer, Scheren, Sägen, …) zu tun haben sowie der Universitäten und aller intellektuellen Tätigkeiten wie Philosophie. In dieser Funktion hat sie gerade für Frauen eine wichtige Rolle gespielt, sich diese – ihnen lange verschlossene – Welt der geistigen Berufe zu erobern.

Altarflügel aus Obing mit der hl. Katharina
Altarflügel mit Hl. Katharina aus Obing (um 1520; Quelle: Diözesanmuseum Freising)

Wohl nicht zuletzt wegen ihrer Standhaftigkeit gegenüber Versuchungen, vielleicht aber auch wegen des klangvollen Namens, wurde Katharina die Namenspatin unzähliger neugeborener Mädchen. Alleine in den Daten meiner Familie habe ich bei mehr als fünfzehn Prozent der Frauen den Vornamen Katharina, Catharina, oder den Namen in Kombination mit einem anderen (Anna-K., C.-Maria) gefunden.

Auch heutzutage ist der Name immer noch sehr beliebt und Katharina von Alexandrien „besetzt“ immer noch den 25. November im katholischen Jahreskalender. Und das, obwohl ihr Name in der Folge des Zweite Vatikanische Konzil (11.10.1962 bis 8.12.1965) 1969 aus dem Römischen Heiligenkalender gestrichen wurde, weil die Ursprünge des St-Katharina-Kults zu sehr im Dunkeln lagen – wie ja bei manchen anderen Heiligen-Legenden auch.

Von “Katharina” abgeleitete Namen:
Benincasa, Ina, Jekaterina, Katherina, Käthe, Karen, Karin, Kate, Katerina, Kathleen, Kathrein, Katinka, Katja, Katrin, Kira, Kitty, Nina, Tina, Tini, Trina, Trinette

Katharina ist Schutzheilige (Patronin)
der Jungfrauen und der Ehefrauen sowie der Hochschulen und Bibliotheken, dann der Schüler, Studenten, Lehrer, Redner, Notare und Gelehrten, vor allem der Philosophen, sodann der  Wagner, Buchdrucker, Spinnerinnen, Tuchhändler, Gerber, Schuhmacher,  Müller, Friseure und der Schiffer; sie wird angerufen bei Migräne, Krankheiten der Zunge oder als Hilfe zum Auffinden Ertrunkener

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2 Antworten

  1. Angelika Schöneberger sagt:

    Es ist einfach so, dass in der “geschlossenen Zeit”, d. i. die Advents- und die Fastenzeit in der katholischen Kirche nicht geheiratet wurde. Meine Eltern haben zum Beispiel an Nikolaus standesamtlich und erst an Hl. Drei Könige, am 6. Januar, kirchlich geheiratet, obwohl es dringend war, ich bin im Juli geboren.

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