Die Braut trug schwarz
von KlausG · Veröffentlicht · Aktualisiert


Trauerkleidung bei der Hochzeit?
Als ich alte Familienfotos betrachtete und das Bild von der Hochzeitsgesellschaft meiner Großeltern mütterlicherseits am 22.2.22 sah, wunderte ich mich doch sehr: Meine Oma sah ja fast aus wie ein Indianerhäuptling, mit diesem „Kopfputz“ und schwarzem Hochzeitskleid! Was steckte dahinter? Gab es kein Geld für ein weißes Brautkleid? War es vielleicht eine regionale Tradition, oder war das zu dieser Zeit gerade „modern“? Oder hatte es – sorry, Oma! – gar etwas mit der „Unbeflecktheit“ zu tun???
Meine Mutter (+) hatte die Erklärung dafür: Weil der Vater der Braut, mein Urgroßvater Peter, erst neun Monate zuvor verstorben war, verlangte die (bäuerliche, katholische) Tradition innerhalb des „Trauerjahres“ den Verzicht auf das weiße Brautkleid.
Nicht nur im Trauerfall
Doch je nach Region oder nach „Stand“ scheint das schwarze Brautkleid gar nicht so unüblich gewesen zu sein. Mein bayerischer Familienforscher-Freund Wolfgang schrieb mir als Anmerkung zu dem obigen Text: „In der Tat war in Bayern, vor allem bei Bauern, üblich, dass die Braut schwarz trug. Auch, wenn kein Todesfall dabei war.“ Dabei erzählte er mir auch von der Hochzeitsabstinenz ab St. Kathrein.
Vielleicht war das ja so aus einer ganz praktische Überlegung: Ein schwarzes Kleid konnte die Braut auch noch lange Zeit danach tragen, etwa zum sonntäglichen Kirchgang, aber auch zu Hochzeiten (wie viele andere weibliche Gästen auf dem Hochzeitsfoto meiner Großeltern) – oder zu Beerdigungen.
Weiteres dazu?
Erst Anfang 2020 fand ich zum Thema Hochzeitsbräuche einen interessanten Artikel von Claudia Barner in der Stuttgarter Zeitung vom 11. April 2019 mit dem Titel „Hochzeiten damals und heute: Als die Braut noch Schwarz trug„. Lesenswert!
Fundstücke?
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