Kekule-Zahlen

Genial einfach:
Einfach
die Zahl
verdoppeln!

Warum die Kekule-Nummerierung in der Ahnenforschung verwendet wird | Wie es zum Ahnenschwund kommt

Wer mit der Ahnen- und Familienforschung anfängt wird früher oder später über die „Kekule-Nummern“ oder die “Kekule-Zahl” stolpern. Auch ich wurde schon gelegentlich gefragt, was es denn mit dieser „Kekulé-Zahl“ auf sich habe. Aber egal, ob das Wort nun auf der ersten, zweiten oder dritten Silbe betont wird (und das gelegentlich zu Diskussionen unter Genealogen über die richtige Aussprache* führt), es geht auf jeden Fall nicht um eine aztekische Rechenschnur oder einen afrikanischen Kürbis!

Erfinder der Kekule-Nummerierung
Dr. Stephan Kekule (ca. 1904)

Die Kekule-Nummerierung ist ein in der Genealogie gebräuchliches System zur Sortierung der Ahnen, also (nur !) der direkten Vorfahren. Es hört sich anfangs kompliziert an, ist aber eigentlich ein einfaches Prinzip für das Aufstellen des Stammbaums, benannt nach dem wissenschaftlichen Genealogen Dr. jur, Dr. phil. Stephan Kekule von Stradonitz.

[* Stephan Kekule von Stradonitz (1863 – 1933) selbst hat den Namen – im Gegensatz zu seinem Vater – immer ohne Akzent (accent aigu) geschrieben, auch in seinen Veröffentlichungen)

Hin und wieder liest man auch vom “Sosa-Stradonitz-System” oder von “Sosa-Nummern”. Gemeint ist damit das gleiche; es bezieht sich dann (auch) auf Hieronymus de Sosa, der das Prinzip schon 1676 angewendet hatte (andere frühere Anwender waren 1590 ein Michael von Aitzing und 1883 ein Francis Galton). Stephan Kekule von Stradonitz, der unter anderem Ahnentafeln zu 32 Ahnen der Regenten Europas erstellte, veröffentlichte jedenfalls 1898 in der Vierteljahrsschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde einen Aufsatz „Über eine zweckmäßige Bezifferung der Ahnen“ und erklärte – überzeugend – Sinn und Logik der Nummerierung. Daraufhin setzte sie sich international durch und wird inzwischen weltweit zur Ordnung der Ahnen (in der „Aszendenz“ = Vorfahren) eines Probanden genutzt.

Verdopplungsprinzip

In der Ahnentafel nach dem Kekule-Prinzip erhält die „Probandin“ / der „Proband“ (= die Ausgangsperson, z.B. ich selbst / „Ego“) die Nummer 1 – unabhängig vom Geschlecht (m / w). Der Vater bekommt die Kekule-Nummer 2, die Mutter die 3. Während die beiden Eltern damit alle Personen der 1. Vorfahrengeneration sind, haben sie jeweils einen Vater und eine Mutter, wodurch sich die Anzahl der Personen (2 x 2) in deren Elterngeneration auf 4 verdoppelt – und in der nächsten Generation wieder verdoppelt (4 x 2 auf 8) und in der nächsten Generation wieder, dann auf 8 x 2 = 16, und so weiter ….

Der Probandin/dem Probanden und den Vorfahren-Generationen I. bis V. werden nach Kekule folgende Zahlen zugeordnet:

1
die „Probandin“ / der „Proband“
(= die Ausgangsperson, z.B. ich selbst / „Ego“)

2
Vater

3
Mutter

4
Großvater 1
väterlicherseits

5
Großmutter 1
väterlicherseits

6
Großvater 2
mütterlicherseits

7
Großmutter 2
mütterlicherseits

8
Urgroßv.1 väterlicherseits

9
Urgroßm
.1
väterl.

10
Urgroßv
.2
väterl.

11
Urgroßm
.2
väterl.

12
Urgroßv.3 mütterlicherseits

13
Urgroßm
.3 mütterl.

14
Urgroßv
.4
mütterl.

15
Urgroßm
.4
mütterl.

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

41

42

43

44

45

46

47

48

49

50

51

52

53

54

55

56

57

58

59

60

61

62

63

In diesem Raster hat dann der Vater einer Person immer die mit 2 multiplizierte Kekule-Nummer seines Sohnes / seiner Tochter, die Mutter hat immer die verdoppelte Nummer des Kindes plus 1. (Beispiel: das Kind hat die Nummer 23, dann hat der Vater die Nummer 46, die Mutter die 47). Alle männlichen Vorfahren haben somit immer eine gerade Zahl, die Frauen eine ungerade. Einzige Ausnahme: wenn die Ausgangsperson (Probandin) weiblich ist, dann hat auch sie die 1.

Noch wichtig zu merken: Die erste Kekule-Nummer in jeder Zeile ist die Verdopplung der ersten Zahl in der vorherigen Reihe, wobei man – normalerweise – von unten nach oben, also von Dir „in die Vergangenheit“, zählt. Somit steht der Familienname (normalerweise der Familienname Deines Vaters) in der ganzen Ahnentafel immer ganz links in der jeweiligen Generationen-Zeile.

Gen.           Kekule-Zahl(/-Nummer)

0:                1   (- das bist Du selbst bzw. d. Proband/in)

1:                2   3 (- das sind die Eltern)

2:                4   5   6   7 (- das sind die vier Großeltern, also zwei Opas und zwei Omas)

3:                8   9   10   11   12   13   14   15  (- das sind die acht Ur-Großeltern)

4:                16   17   18   19   20   21   22   23    – .. bis  31  (- das sind die sechszehn Ur-Ur-Großeltern)

5:                32   33   34   35   36   37   38   39   40   41   – .. bis  63 (- das sind die zweiunddreißig 3xUr-Großeltern)

6:                64                      – .. bis  127

7:                128                    – .. bis  255

8:                256                    – .. bis  511

9:                512                    – .. bis  1.023

10:              1.024                 – .. bis  2.047

11:              2.048                 – .. bis  4.095

12:              4.096                 – .. bis 8.191

13:              8.192                 – .. bis 16.383

14:              16.384               – .. bis 32.767

15:              32.768               – .. bis 65.535

16:              65.536               – .. bis 131.071

17:              131.072             –  ….

Gleichzeitig zeigt die in jeder Zeile ganz links stehende Kekule-Nummer die maximal mögliche Anzahl der Angehörigen in der jeweiligen Generation.

Für Liebhaber mathematischer Formeln: Wenn “n” die Nummer der Vorfahrengeneration ist, dann ist 2 hoch n (2n) die erste Kekule-Zahl in dieser Generation (Beispiel 10. Generation: 210=2x2x2x2x2x2x2x2x2x2=1.024).

Die rechnerische Gesamtzahl ALLER Ahnen der Ausgangsperson lässt sich auch mit einer mathematischen Formel berechnen: 2 mal 2 hoch Generationenzahl minus 2. Bis zur 10. Vorfahren-Generation sind es 2×210-2=2.046 Personen (siehe auch in der Tabelle oben in der 10. Generation die ganz rechts stehende Kekule-Nummer minus 1 für Proband). Rechnet man zurück bis zu den „Erzahnenurgroßeltern“ in der 24. Generation sind es 33.554.432. Bis zur 40. Generation – das wäre bei durchschnittlich 25 Jahren für eine Generation also vor ca. 1.000 Jahren – dann sogar 2×240-2=2,199 BILLIONEN Personen (2.199.023.255.550).

Ahnenschwund bzw. Ahnenverlust

Wie aber kann eine heute lebende Person in den letzten 1.000 Jahren 2,2 Billionen Vorfahren gehabt haben, wenn wissenschaftliche Berechnungen davon ausgehen, dass bis zum Jahr 2011 auf der Erde insgesamt nur etwa 110 Milliarden Menschen gelebt haben, also nur etwas mehr als 5 Prozent unserer für die letzten tausend Jahre errechneten über zweitausend Milliarden Ahnen? Die  „maximal mögliche“, riesige Zahl an Vorfahren kann dann doch nicht vorkommen! Wohin sind die Ahnen “verschwunden”?

Nun, in Zeiten mit wesentlich geringerer Mobilität wurde häufig innerhalb des Dorfes oder der Region geheiratet, oft arrangiert bei den Familienfesten. Verwandten-Heirat, meistens Cousins und Cousinen waren Gang und Gebe, oder – nicht zuletzt zur Versorgung der Kinder – die Hochzeit einer Witwe mit dem Bruder ihres verstorbenen Mannes, oder auch eines Witwers mit der ebenfalls bereits verwitweten Schwester seiner Schwiegertochter. Dadurch tauchen manche Personen gleich an mehreren Stellen in der Vorfahrenliste auf und erhalten im Kekule-System mehrfach eine Nummer. Es gibt also Überschneidungen und dadurch, so haben Experten ausgerechnet, „verringert sich die tatsächliche Anzahl der Vorfahren schnell auf unter ein (!) Prozent der logisch möglichen“. Oder anders herum:  Wenn Verwandte miteinander Kinder hatten, dann haben die Nachkommen weit weniger Ahnen als die in einem Kekule-Zahlensystem maximal mögliche Anzahl.

Schwäche von Kekule

Vorfahren im Stammbaum ohne Kekule-Nummerierung
Vorfahren im Stammbaum

Mit der Kekule-Nummerierung erfasst man jeweils die beiden Eltern einer Person. Für deren Geschwister gibt es keine Nummer. Somit ist es mit dem System nicht machbar, ALLE in früheren Zeiten oder heute noch lebenden Verwandten zu nummerieren und abzubilden. Es gab dafür Vorschläge von Genealogen, dies dann mit Dezimalzahlen oder Zahlen-Buchstaben-Kombinationen zu ergänzen. Doch dadurch wird es schnell unübersichtlich!

Warum man die Kekule-Nummerierung trotzdem in der Ahnenforschung als Sortiersystem verwendet? Nun, auf jeden Fall sinnvoll ist das Einsetzen von „Kekule“ zur Nummerierung der Ahnen, also der direkten (!) Vorfahren in einer Stammtafel oder einem Stammbaum.
Dann aber konsequent!

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